Fahrerflucht: Was kommt auf unfallflüchtige Fahrer zu?

Von bussgeldbescheid-einspruch.com, letzte Aktualisierung am: 2. September 2021

Ab wann es sich um unerlaubtes Entfernen vom Unfallort handelt

Wer nach einem Unfall einfach weiterfährt, begeht in den Regel Fahrerflucht.
Wer nach einem Unfall einfach weiterfährt, begeht in den Regel Fahrerflucht.

Angaben des Statistischen Bundesamtes zufolge ereigneten sich im Jahr 2019 insgesamt 2.667.863 Unfälle im deutschen Straßenverkehr. Bei 2.367.857 dieser Verkehrsunfälle kam es lediglich zu einem Sachschaden, bei 300.006 wurden Personen verletzt. Obwohl jeder Kraftfahrer wissen sollte, wie er sich nach einem Crash zu verhalten hat, überwiegen teilweise schlichtweg Panik und Schock, sodass sich der eine oder andere Betroffene einfach aus dem Staub macht.

Wer aus Angst vor den Konsequenzen nach einem Unfall unerlaubt das Weite sucht, begeht jedoch Fahrerflucht und damit eine Straftat. In diesem Ratgeber erklären wir unter anderem, wann es sich genau um eine Unfallflucht handelt, welche Folgen das Ganze haben kann und welche Optionen Geschädigte nach einem Unfall mit anschließender Fahrerflucht des Verursachers haben.

FAQ: Fahrerflucht

Wann liegt eine Fahrerflucht vor?

Waren Sie an einem Unfall im Straßenverkehr beteiligt und fahren danach einfach weiter, als wäre nichts gewesen, begehen Sie Fahrerflucht. Schließlich sind Sie dazu verpflichtet, nach einem Crash entweder direkt die Polizei zu informieren oder zumindest eine angemessene Zeit lang auf den Besitzer des beschädigten Kfz zu warten (bei Parkschäden).

Wie hoch ist die Strafe bei einer Fahrerflucht?

§ 142 des Strafgesetzbuches (StGB) zufolge kann das unerlaubte Entfernen vom Unfallort mit einer Geld- oder einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden. Hinzu kommen Sanktionen aus dem Verkehrsrecht. Außerdem können bei einer Unfallflucht noch weitere Tatbestände erfüllt sein. Eine Zusammenfassung der möglichen Strafen bei einer Fahrerflucht finden Sie hier.

Was können geschädigte Personen tun, wenn der Unfallverursacher Fahrerflucht begangen hat?

Welche Optionen Geschädigte haben, wenn der Verursacher des Unfalls Fahrerflucht begangen hat, erfahren Sie an dieser Stelle.

Video: Das müssen Sie zur Fahrerflucht wissen!

Wann von Fahrerflucht die Rede ist, erfahren Sie in diesem Video.

Wann handelt es sich nach einem Unfall um Fahrerflucht?

Wann liegt Unfallflucht vor?
Wann liegt Unfallflucht vor?

Der Tatbestand des unerlaubten Entfernens vom Unfallort ist in § 142 des Strafgesetzbuches (StGB) festgehalten. Absatz 1 dieses Paragraphen zufolge macht sich ein Unfallbeteiligter der Fahrerflucht schuldig, der

[…] sich nach einem Unfall im Straßenverkehr vom Unfallort entfernt, bevor er

1. zugunsten der anderen Unfallbeteiligten und der Geschädigten die Feststellung seiner Person, seines Fahrzeugs und der Art seiner Beteiligung durch seine Anwesenheit und durch die Angabe, daß [sic] er an dem Unfall beteiligt ist, ermöglicht hat oder

2. eine nach den Umständen angemessene Zeit gewartet hat, ohne daß [sic] jemand bereit war, die Feststellungen zu treffen […].“

Dementsprechend liegt immer dann eine Unfallflucht gemäß StGB vor, wenn Sie nach einem Crash einfach weiterfahren, ohne den Vorfall bei der Polizei zu melden oder auf den betroffenen Besitzer des anderen Fahrzeugs zu warten. Unsicherheiten bestehen nicht selten darin, welche Wartezeit als „angemessen“ angesehen wird.

Darüber kann leider keine pauschale Aussage getroffen werden, da diverse Umstände dabei eine Rolle spielen. Unter anderem kommt es darauf an, wie schwer der vorliegende Schaden ist und zu welcher Tages- oder Nachtzeit es gekracht hat. Schließlich ist es beispielsweise relativ unwahrscheinlich, dass der Betroffene in nächster Zeit aufkreuzt, wenn Sie sein Kfz mitten in der Nacht auf einem Parkplatz touchiert haben.

In einer solchen Situation bleibt Ihnen also nichts anderes übrig als der Gang zur nächstgelegenen Polizeistelle. Ansonsten wird häufig eine Wartezeit von wenigstens einer Stunde vorausgesetzt, wobei jedoch stets die jeweils vorliegenden Umstände miteinbezogen werden. Grundsätzlich gilt: Taucht der Fahrzeughalter auch nach längerer Zeit nicht auf, sollten Sie umgehend die Polizei informieren, um keine Fahrerflucht zu begehen.

Wie können Sie eine Fahrerflucht bei einem Parkschaden vermeiden?

Auch bei einem Parkschaden kann eine Fahrerflucht vorliegen, wenn Sie einfach abhauen, nachdem Sie ein parkendes Kfz beschädigt haben. Hat der Halter ein Parkticket gezogen, das durch die Windschutzscheibe einsehbar ist, sind Sie normalerweise dazu verpflichtet, zu warten, bis die Parkzeit abgelaufen ist. Es handelt sich um einen weit verbreiteten Irrtum, dass es in einem solchen Fall ausreicht, einen Zettel mit Ihren Daten unter den Scheibenwischer zu klemmen.

Um nach einem Parkrempler keine Fahrerflucht zu begehen, müssen Sie abwarten, bis der betroffene Autofahrer nach Ablauf der Parkdauer zurückkehrt. Sollte er auch dann nicht auftauchen, sind Sie verpflichtet, die Polizei in Kenntnis setzen. Dieser Schritt gilt im Übrigen nicht als Schuldanerkenntnis, sondern lediglich als polizeiliche Aufnahme des Unfalls.

Wann liegt keine Fahrerflucht vor?

In gewissen Situationen begehen Sie keine Fahrerflucht, wenn Sie den Unfallort verlassen.
In gewissen Situationen begehen Sie keine Fahrerflucht, wenn Sie den Unfallort verlassen.

Nicht in jedem Fall kommt eine Anzeige wegen Fahrerflucht auf Sie zu, wenn Sie sich vom Unfallort entfernen. In gewissen Situationen sind Sie sogar dazu verpflichtet oder haben gar keine andere Wahl. Beispiele dafür sind mitunter die folgenden:

  • Bei dem Unfall sind Personen zu Schaden gekommen und Sie müssen Erste Hilfe leisten.
  • Sie selbst haben sich bei einem Verkehrsunfall Verletzungen zugezogen und benötigen ärztliche Hilfe.
  • Es liegen Fahrzeugteile oder andere Gegenstände auf der Fahrbahn, die Sie entfernen müssen, damit andere Fahrer nicht hineinrauschen.
  • Sie machen sich direkt nach dem Crash auf den Weg zur Polizei, um den Vorfall dort zu melden.

In den gerade beschriebenen Situationen müssen Sie demzufolge keine Strafe wegen einer Unfallflucht befürchten, wenn Sie den Ort des Geschehens verlassen. Informationen dazu, wie sich die Strafe für eine Fahrerflucht allgemein zusammensetzt, finden Sie in den nächsten Abschnitten.

Fahrerflucht begangen? Diese Folgen sind möglich

Welche Konsequenzen eine Fahrerflucht genau nach sich zieht, lässt sich gar nicht so leicht bestimmen. Schließlich überlappen sich in einem solchen Fall zwei Rechtsgebiete: das Strafrecht sowie das Verkehrsrecht. Aus diesem Grund haben wir Ihnen anschließend zusammengefasst, welche verkehrs- bzw. strafrechtlichen Folgen eine Unfallflucht jeweils haben kann.

Was der Bußgeldkatalog bei einer Fahrerflucht vorsieht

Im Bußgeldkatalog befinden sich keine Regelsätze, die vorschreiben, wie das unerlaubte Entfernen vom Unfallort zu ahnden ist. Dies ist darin begründet, dass bei einer Fahrerflucht kein Bußgeld fällig wird, sondern eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe. Daraus ergibt sich jedoch nicht, dass dieser Tatbestand keine anderen verkehrsrechtlichen Konsequenzen nach sich ziehen kann.

Weitere Sanktionsformen, die bei einer begangenen Fahrerflucht drohen, sind Punkte in Flensburg, ein Fahrverbot oder sogar die Entziehung der Fahrerlaubnis. Womit Sie im Detail rechnen müssen, ist in der Regel abhängig davon, wie hoch der entstandene Schaden war:

Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort: Die Strafe richtet sich normalerweise nach der Höhe des Schadens.
Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort: Die Strafe richtet sich normalerweise nach der Höhe des Schadens.
  • unter 600 Euro: Normalerweise ist das Ganze hier mit der Zahlung einer Geldstrafe erledigt. Das Verfahren wird anschließend eingestellt.
  • unter 1.300 Euro: Die Geldstrafe liegt bei dieser Schadenhöhe in etwa bei einem Monatsgehalt. Zudem zieht eine solche Fahrerflucht zwei Punkte in Flensburg und ein maximal dreimonatiges Fahrverbot nach sich.
  • über 1.300 Euro: Neben einer Geldstrafe, die den Rahmen eines Monatsgehalts deutlich sprengt, drohen bei einer solchen Unfallflucht drei Punkte sowie die Entziehung der Fahrerlaubnis.

Der Führerscheinentzug ist stets mit einer Sperrfrist verbunden, die mindestens sechs Monate andauert. Während dieser Zeit wird die zuständige Behörde einer Neuerteilung des Führerscheins nicht zustimmen. Je schwerer der vorliegende Schaden bei einer Fahrerflucht ausfällt, desto strenger sind dementsprechend die möglichen Sanktionen aus dem Verkehrsrecht.

Fahrerflucht: Welche Strafe laut StGB drohen kann

§ 142 StGB beinhaltet nicht nur eine Beschreibung des Tatbestandes, sondern ebenfalls Angaben dazu, in welchem Rahmen sich bei einer Fahrerflucht das Strafmaß bewegt. Unfallflüchtige Fahrer kann demzufolge eine Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren ereilen.

Doch nicht nur Kraftfahrer, die den Unfallort verlassen haben, ohne die Wartezeit einzuhalten oder ihre Personalien auszutauschen, müssen die gerade erwähnte Strafe befürchten. Dasselbe gilt gemäß § 142 Absatz 2 StGB für einen Unfallbeteiligten, der sich

[…] 1. nach Ablauf der Wartefrist […] oder

2. berechtigt oder entschuldigt

vom Unfallort entfernt hat und die Feststellungen nicht unverzüglich nachträglich ermöglicht.“

Wie bereits weiter oben beschrieben, handelt es sich nicht in jedem Fall um Fahrerflucht, wenn Sie den Ort des Geschehens nach einem Verkehrsunfall verlassen. Doch selbst, wenn Sie eine angemessene Zeit lang gewartet haben oder einen anderen akzeptablen Grund hatten, sich aus dem Staub zu machen, sollten Sie den Vorfall unbedingt nachträglich bei der Polizei melden. Tun Sie dies nicht, handelt es sich ebenfalls um Fahrerflucht.

Welche Vorgehensweise nötig ist, um dies zu verhindern, beschreibt § 142 Absatz 3 StGB:

Der Verpflichtung, die Feststellungen nachträglich zu ermöglichen, genügt der Unfallbeteiligte, wenn er den Berechtigten […] oder einer nahe gelegenen Polizeidienststelle mitteilt, daß [sic] er an dem Unfall beteiligt gewesen ist, und wenn er seine Anschrift, seinen Aufenthalt sowie das Kennzeichen und den Standort seines Fahrzeugs angibt und dieses zu unverzüglichen Feststellungen für eine ihm zumutbare Zeit zur Verfügung hält. […]“

Übrigens: Das Strafmaß bei einer Fahrerflucht richtet sich nicht nur bei den verkehrsrechtlichen Konsequenzen danach, wie hoch der entstandene Schaden ist. Fahren Sie beispielsweise einfach weiter, obwohl Personen verletzt wurden, findet bei dieser Unfallflucht ein höheres Strafmaß Anwendung, als es bei einem simplen Parkrempler der Fall gewesen wäre. Außerdem können bei einer Fahrerflucht mit Personenschaden noch weitere Tatbestände erfüllt sein, denen wir uns im nächsten Abschnitt widmen.

Fahrerflucht: Weitere Straftatbestände

Bei einer Unfallflucht mit Personenschaden können noch weitere Tatbestände erfüllt sein.
Bei einer Unfallflucht mit Personenschaden können noch weitere Tatbestände erfüllt sein.

Neben den Konsequenzen, die aufgrund der Fahrerflucht auf den Betroffenen zukommen können, sind noch weitere Strafen für andere Tatbestände möglich, die damit im Zusammenhang stehen.

So besagt unter anderem § 34 der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO), dass jeder Unfallbeteiligte dazu verpflichtet ist, nach einem Crash Erste Hilfe zu leisten, sofern Personen zu Schaden kamen.

Ergreifen Sie allerdings direkt im Anschluss die Flucht, kann dies als unterlassene Hilfeleistung gewertet werden. Dieser Tatbestand sowie die dazugehörige Strafe sind in § 323c StGB festgehalten. Im ersten Absatz des genannten Paragraphen heißt es:

Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“

Wurden Personen bei einem Verkehrsunfall verletzt, weil Sie sich im Vorfeld eine Zuwiderhandlung geleistet haben, kann Ihnen neben der Fahrerflucht auch eine fahrlässige Körperverletzung gemäß § 229 StGB zur Last gelegt werden. Das kommt z. B. in Betracht, wenn Sie eine rote Ampel überfahren und dadurch einen Unfall verursachen. § 229 StGB zufolge wird eine fahrlässig herbeigeführte Körperverletzung mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren sanktioniert.

Wurden bei dem Unfall nicht nur Personen verletzt, sondern es kam sogar zu einem Todesfall und Sie begingen Fahrerflucht, kann Ihnen dies als fahrlässige Tötung ausgelegt werden. Laut § 222 StGB ist hier eine Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren möglich. Aus der mit der Fahrerflucht verbundenen Strafe und der für die Körperverletzung wird eine Gesamtstrafe gebildet.

Zusammenfassung: Mögliche Konsequenzen bei einer Fahrerflucht

Sowohl die Höhe des entstandenen Schadens als auch die Umstände können sich demzufolge bei einer begangenen Fahrerflucht auf die Strafe auswirken. Wie hoch diese letztendlich ausfällt, muss daher je nach Einzelfall entschieden werden. Zusammengefasst liegen die folgenden straf- sowie verkehrsrechtlichen Konsequenzen im Bereich des Möglichen:

  • variable Geldstrafe
  • maximal drei Punkte in Flensburg
  • maximal drei Monate Fahrverbot
  • Entziehung der Fahrerlaubnis
  • Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren (Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort gemäß § 142 StGB)
  • Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr (Unterlassene Hilfeleistung gemäß § 323c StGB)
  • Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren (Fahrlässige Körperverletzung gemäß § 229 StGB)
  • Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren (Fahrlässige Tötung gemäß § 222 StGB)

Was passiert bei einer Fahrerflucht in der Probezeit?

Was passiert in der Probezeit bei einer Unfallflucht mit Bagatellschaden?
Was passiert in der Probezeit bei einer Unfallflucht mit Bagatellschaden?

Nach der bestandenen Führerschein­prüfung müssen Fahranfänger zunächst einmal eine zweijährige Probezeit hinter sich bringen.

Der Grund dafür ist, dass schwere Unfälle im Straßenverkehr nicht selten auf das waghalsige oder leichtsinnige Verhalten von Führerscheinneulingen zurückzuführen sind. Die Probezeit dient demzufolge der Verkehrssicherheit.

Während dieser Bewährungsphase ist es mit den regulären Sanktionen aus dem Bußgeldkatalog nicht getan. Hinzu kommen spezielle Maßnahmen, die sich danach richten, in welche Kategorie die entsprechende Zuwiderhandlung einzuordnen ist. Dabei wird unterschieden zwischen

  • A-Verstößen (schwerwiegenden Regelmissachtungen) und
  • B-Verstößen (weniger schwerwiegenden Regelmissachtungen.

Wer sich als Fahranfänger in der Probezeit eine Fahrerflucht leistet, begeht damit einen Verstoß der Kategorie A. Ein solcher zieht eine Probezeitverlängerung von zwei auf insgesamt vier Jahre sowie die Anordnung eines Aufbauseminars nach sich. Für Letzteres müssen Neulinge selbst aufkommen. Die jeweilige Strafe für die Unfallflucht kommt ebenfalls noch obendrauf.

Was bringt eine Selbstanzeige nach der Fahrerflucht?

Nachdem es im Straßenverkehr gekracht hat, stehen wohl die meisten Kraftfahrer erst einmal unter Schock und treffen dadurch möglicherweise eine Entscheidung, die sie im Nachhinein bereuen. Sind Sie beispielsweise nach einem Zusammenstoß einfach weitergefahren und möchten dieses Fehlverhalten anschließend wiedergutmachen, können Sie nach der begangenen Fahrerflucht eine Selbstanzeige vornehmen.

Dazu müssen Sie die nächstgelegene Polizeidienststelle aufsuchen und dort Bericht über das Geschehene erstatten. Gegebenenfalls kann die Strafe für das unerlaubte Entfernen vom Unfallort dadurch gemildert werden oder entfällt gänzlich. In § 142 Absatz 4 StGB heißt es dazu:

Das Gericht mildert […] die Strafe […] oder kann von Strafe […] absehen, wenn der Unfallbeteiligte innerhalb von vierundzwanzig Stunden nach einem Unfall außerhalb des fließenden Verkehrs, der ausschließlich nicht bedeutenden Sachschaden zur Folge hat, freiwillig die Feststellungen nachträglich ermöglicht […].“

Bedenken Sie: Nur wenn die Polizei die Ermittlungen in diesem Fall noch nicht aufgenommen hat und bei einem minimalen Parkschaden mit anschließender Fahrerflucht kann die Strafe gemildert werden oder entfallen. Liegt die Höhe des Schadens bei 1.300 Euro oder mehr, können Sie zwar dennoch eine Selbstanzeige vornehmen, eine Strafmilderung oder gar -freiheit kommt dann jedoch nicht mehr infrage.

Wann unterliegt eine Fahrerflucht der Verjährung?

Wann verjährt eine Fahrerflucht?
Wann verjährt eine Fahrerflucht?

So gut wie alle Strafttaten unterliegen in Deutschland der Verjährung und können danach nicht mehr geahndet werden. Eine Ausnahme bildet lediglich Mord, da dieser nie verjährt.

Die Dauer der jeweiligen Verjährungsfristen ist stets abhängig davon, wie schwer die begangene Tat bestraft werden kann.

Geregelt sind die entsprechenden Fristen in § 78 StGB. Ist bei einer Straftat beispielsweise eine lebenslange Freiheitsstrafe möglich, kommt es nach 30 Jahren zur Verjährung. Zuwiderhandlungen, die mit einer Freiheitsstrafe von mehr als fünf und bis zu zehn Jahren geahndet werden können, verjähren nach zehn Jahren.

Da eine Fahrerflucht mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden kann, tritt die Verjährung hier nach fünf Jahren ein. Nach Ablauf dieser Frist kann der betroffene Fahrer nicht mehr belangt werden. Es spielt im Übrigen keine Rolle, wie schwer der entstandene Schaden war; die Verjährungsfrist bleibt davon unberührt.

Fahrerflucht ohne Schaden: Geht das überhaupt?

Insbesondere beim Parken ist es keine Seltenheit, dass Kraftfahrer die Abstände falsch einschätzen und dabei ein anderes Fahrzeug streifen. Steigen Sie anschließend aus Ihrem Kfz aus, um das andere Auto auf Beschädigungen zu untersuchen, können allerdings keine ausmachen, bedeutet dies trotzdem nicht, dass Sie einfach weiterfahren dürfen.

Schließlich kann es sich durchaus um einen Schaden handeln, der zwar auf den ersten Blick nicht erkennbar, aber dennoch vorhanden ist. Dies kann ausschließlich ein Kfz-Gutachten klären. Daher haben Sie in einem solchen Fall ebenfalls die Pflicht dazu, eine angemessene Zeit lang abzuwarten, ob der Besitzer des Kfz noch auftaucht. Alternativ sollten Sie die Polizei verständigen.

Machen Sie sich einfach aus dem Staub und tun so, als wäre nichts gewesen, liegt auch hier eine Fahrerflucht vor und Sie machen sich strafbar.

Gibt es so etwas wie eine unbemerkte Fahrerflucht?

Es ist nicht gänzlich auszuschließen, dass ein Autofahrer schlichtweg nicht bemerkt, dass er etwa beim Einparken ein anderes Kfz anstupst oder leicht streift. Gerade laute Musik aus dem Radio oder ein angeregtes Gespräch mit dem Beifahrer lenken schnell ab. In der Regel wird aber jeder Fahrer den Widerstand bzw. die Kollision beim Unfall bemerken.

Eine Fahrerflucht mit Bagatellschaden wird teilweise nicht einmal bemerkt.
Eine Fahrerflucht mit Bagatellschaden wird teilweise nicht einmal bemerkt.

Fahren Sie als Kraftfahrer anschließend einfach weiter, handelt es sich dennoch – wenn auch vermeintlich unbemerkt – um Unfallflucht. Diese Tat kann jedoch nur dann geahndet werden, wenn sie vorsätzlich begangen wurde. Der Betroffene muss den Unfall als solchen wahrgenommen haben. Daher gibt es immer wieder Fahrer, die behaupten, sie hätten nicht gemerkt, dass sie ein anderes Fahrzeug beschädigt haben, um so der Strafe zu entgehen.

Ob es sein kann, dass Sie die Unfallflucht wirklich nicht bemerkt haben oder sich durch diese Behauptung nur aus der Affäre ziehen möchten, muss die Staatsanwaltschaft herausfinden. Dazu wird sie in der Regel unterschiedliche Experten befragen und Gutachten erstellen lassen, um der Wahrheit so auf den Grund zu gehen.

Haben Sie unwissentlich Fahrerflucht nach einem Sachschaden begangen und sollen dafür bestraft werden, ist es ratsam, einen Anwalt zu konsultieren. Dieser kann Ihnen erklären, wie das Ganze ablaufen wird und sich dafür einsetzen, Ihre Unschuld zu beweisen.

Fahrerflucht: Was tun als geschädigte Person?

Sie wären mit Sicherheit nicht die erste Person, die ihr Kfz guten Gewissens in einem Parkhaus oder auf einem öffentlichen Parkplatz abgestellt hat und bei ihrer Rückkehr feststellen muss, dass dieses beschädigt wurde. Natürlich ist der Ärger in einer solchen Situation groß. Viele Autobesitzer gehen schließlich davon aus, dass sie die Reparaturkosten für den entstandenen Schaden aus eigener Tasche zahlen müssen, da der eigentliche Verursacher Fahrerflucht begangen hat.

Dem muss jedoch nicht so sein. Anschließend haben wir Ihnen diverse Optionen aufgelistet, die Sie in einer solchen Situation ergreifen können:

  • Hat eine andere Person Ihr Auto angefahren und Fahrerflucht begangen, kommt Ihre Vollkasko-Versicherung für die dabei entstandenen Schäden auf – vorausgesetzt, Sie haben eine solche abgeschlossen. Kann der unfallflüchtige Fahrer im Nachhinein ausfindig gemacht werden, muss er bzw. seine Versicherung die Kosten übernehmen.
  • Verfügen Sie nur über eine Haftpflicht-Versicherung und können die Reparaturkosten nach einem Unfall mit anschließender Fahrerflucht nicht selbst stemmen, können Sie sich an die Verkehrsopferhilfe e.V. (VOH) wenden. Wenn ein relativ hoher Schaden vorliegt und der Verursacher nicht ermittelt werden kann, stehen die Chancen gut, dass die VOH Ihnen unter die Arme greift. Dafür gibt es allerdings keinen grundsätzlichen Anspruch.
  • Haben Sie glücklicherweise mitbekommen, wie eine andere Person Fahrerflucht begangen hat, und konnten sich das Nummernschild des Fahrzeugs einprägen, bietet es sich an, den Zentralruf der Autoversicherer unter der Telefonnummer 0800 250 260 0 zu kontaktieren. Auf diese Weise können Sie den Fahrzeughalter kostenlos ermitteln lassen. Dieser erhält daraufhin eine Anzeige wegen Fahrerflucht. Ihre Versicherung wird sich dann mit seiner austauschen und die Schadensregulierung in die Wege leiten.
Als geschädigte Person müssen Sie eine Fahrerflucht erst einmal beweisen.
Als geschädigte Person müssen Sie eine Fahrerflucht erst einmal beweisen.

Wichtig: Leider ist es nicht damit getan, einfach anzugeben, dass der vorliegende Schaden von einer dritten Person verursacht wurde. Vielmehr müssen Sie das Ganze erst einmal beweisen. Daher ist es ratsam, noch am Unfallort die Polizei zu informieren, nachdem Sie festgestellt haben, dass der Verursacher Fahrerflucht begangen hat. Gegebenenfalls haben Zeugen das Geschehene mitbekommen und können eine Aussage machen.

Sie sollten sich keinesfalls einfach so mit der Situation abfinden und den Kopf in den Sand stecken. Natürlich sind die Chancen häufig relativ gering, den betroffenen Fahrer nach einer Fahrerflucht ausfindig zu machen, ausgeschlossen ist dieses Unterfangen jedoch auch nicht.

Bildnachweise: istockphoto.com/mihitiander, istockphoto.com/alphaspirit, istockphoto.com/LTuray, fotolia.com/Kzenon, fotolia.com/Feodora, depositphotos.com/AlphaBaby, fotolia.com/animaflora, fotolia.com/phpetrunina14

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Fahrerflucht: Was kommt auf unfallflüchtige Fahrer zu?
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